aktuelles

Aus dem Labor zum Startup: IBT fördert zwei neue Projekte

08
Mai
2026

Metastasen in den Lymphknoten besser erkennen und Krankenhausinfektionen durch multiresistente Bakterien verhindern: Bei der sechsten Pitchrunde des Institute for Biomedical Translation (IBT) konnten sich zwei Projektideen mit diesen Zielen durchsetzen. Dabei überzeugte auch ein 22-jähriger Student der Universitätsmedizin Göttingen.

Die Auswahl der sieben Forschungsprojekte, die bei der sechsten „IBT PRE-SEED Portfolio-Konferenz“ am 5. Mai im Medical Park Hannover um eine Förderung gepitcht haben, war groß und vielfältig. Es ging um Therapien für antibiotikaresistente (Lungen-) Infektionen in Krankenhäusern oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, um medizinische Robotik, frühe und präzise Krebs-Diagnostik oder darum, bakterielle Infektionen in Wunden während einer Operation sichtbar zu machen.

Gesichert hat sich die Förderung schließlich das Projekt PathoPress von der Universitätsmedizin Göttingen (Fördersumme: rund 1,3 Mio. Euro) mit dem Thema Krebs-Diagnostik. Das Besondere bei diesem Team: Als einziger Student unter den Teilnehmenden der Portfolio-Konferenz führte der 22-jährige Pedro Gebhardt Apalategui durch die Präsentation. Auch das Projekt DeColi vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig konnte überzeugen (Fördersumme: rund 1 Mio. Euro), das Team will Krankenhausinfektionen proaktiv verhindern. Die Jury aus Akademie, Gründer:innen, Industrie und Regulatorik hat diese Innovationen als erfolgversprechendste ausgewählt.

Eine Gruppe von Menschen mit einem übergroßen Scheck und Blumen in der Hand lächeln in die Kamera

Das Team von PathoPress, bestehend aus Prof. Philipp Ströbel (3. v.l.), Friederike Mörk (mit Scheck) und Pedro Gebhardt Apalategui (mit Maschine), mit Verantwortlichen des IBT und der Universitätsmedizin Göttingen.

Mechanisches Verfahren, um Metastasen zu erkennen

Eine präzise Krebsdiagnostik hängt maßgeblich davon ab, genau zu wissen, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat. Ein entscheidender Faktor ist die zuverlässige Erkennung von Lymphknotenmetastasen, die einen starken Einfluss auf die Stadieneinteilung, Behandlungsentscheidungen und deren Erfolg hat. In der routinemäßigen Pathologie ist es nach wie vor ein arbeitsintensiver und von Anwender:innen abhängiger Prozess, die Lymphknoten in chirurgisch entnommenem Gewebe zu identifizieren – insbesondere bei Krebsarten wie Darm- und Eierstockkrebs, bei denen Lymphknoten in großen Mengen an Fettgewebe eingebettet sind.

Das nun ausgewählte Team von PathoPress führt ein neuartiges Gerät ein, das Fettgewebe mechanisch komprimiert, um dessen Volumen deutlich zu reduzieren, während die volle Kompatibilität mit der Standard-Histopathologie und Immunhistochemie gewahrt bleibt. Diese Technologie ermöglicht so eine vollständige und standardisierte Untersuchung des verbleibenden Gewebes und somit eine zuverlässigere Erkennung aller Lymphknoten. Sie reduziert die Arbeitsbelastung für das Pathologiepersonal, verbessert die Sicherheit und den Arbeitsablauf und unterstützt bessere Behandlungsentscheidungen. PathoPress hat sich zum Ziel gesetzt, ein einfaches physikalisches Prinzip in ein praktisches Diagnosewerkzeug umzusetzen, das die Krebsstadien-Einteilung verbessern und letztlich Patient:innen weltweit zugutekommen kann.

Eine Gruppe von Menschen mit einem übergroßen Scheck und Blumenstrauß in den Händen lacht in die Kamera

Auch das Team DeColi des Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsbiologie konnte mit seiner Projektidee die Jury überzeugen.

Infektionen verhindern anstatt behandeln

Krankenhausinfektionen, die durch multiresistente Bakterien verursacht werden, stellen weltweit eine wachsende Bedrohung dar – oft treten sie gerade dann auf, wenn Patient:innen am verwundbarsten sind. Krankheitserreger wie Escherichia coli besiedeln den Darm häufig lange bevor schwere Infektionen wie eine Sepsis, Lungenentzündung, Wundinfektion oder wiederkehrende Harnwegsinfektionen auftreten. Das Projektteam von DeColi geht dieses Problem an der Quelle an, indem es ein lebendes biotherapeutisches Produkt entwickelt, das diese gefährlichen Bakterien selektiv aus dem Darm entfernt, bevor eine Infektion beginnt.

Der Ansatz richtet sich an eine große und hochrisikobehaftete Patient:innengruppe, für die es keine zugelassenen Präventionsmöglichkeiten gibt, und nutzt ein zielgerichtet entworfenes Bakterienkonsortium mit klar definierten Funktionen. Diese Strategie zielt darauf ab, Infektionen zu verhindern anstatt auf sie zu reagieren. DeColi bietet einen neuen, proaktiven Weg, um antibiotikaresistente Infektionen zu reduzieren und die Behandlungsergebnisse für Patient:innen zu verbessern.

Von der Idee zur Gründung: Förderung verschafft Rückenwind

„Ich freue mich über zwei Dinge ganz besonders: Wir beobachten mittlerweile eine konstante Zahl an Anträgen neuer Projekte. Das spricht deutlich für die Innovationskraft Niedersachsens. Und wir haben diesmal zwei junge Teams gekürt, die ihre Ausgründungsideen hochengagiert vorantreiben“, sagt Prof. Dr. Thomas Sommer, Direktor des IBT. Mehr über die Veranstaltung und die weiteren Projekte lesen Sie in der Pressemitteilung von niedersachsen.next.

Den beiden Gewinner-Teams steht die jeweilige Fördersumme für eine Laufzeit von zwei Jahren zur Verfügung. Die Zeit wird dafür genutzt, die Projekte wissenschaftlich und marktorientiert weiterzuentwickeln sowie weitere Fördergelder zu generieren, damit aus den Forschungs- und Geschäftsideen eine Unternehmensgründung erfolgen kann. Mit PathoPress und DeColi befinden sich inzwischen zwölf Projekte mit einer Gesamtförderung von rund 13 Millionen Euro im IBT-Portfolio. 

Institute forBiomedical Translation

Das IBT unterstützt die Gründung neuer Startups im Bereich der biomedizinischen Forschung durch gezielte finanzielle Förderung sowie Beratung und Vernetzung mit führenden Köpfen aus Forschung und Industrie.  Ermöglicht wird das IBT durch eine Förderung durch das Programm zukunft.niedersachsen. Seit Ende 2025 gehört die Landesinitiative zur Wirtschafts- und Innovationsagentur Niedersachsen.next.