Ob in der jährlichen Grippesaison oder während der Corona-Pandemie, immer wieder spüren wir am eigenen Leib, welchen Einfluss Viren und Bakterien auf unseren Alltag haben. In dem Programm HUMAN tritt die nächste Generation Forschender am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig an, um das komplexe Zusammenspiel zwischen Menschen und Mikroben besser zu verstehen.
Abhängig vom Alter, Lebensweise, dem individuellen Immunsystem und anderen Faktoren interagiert der Körper eines jeden Menschen mit Mikroben unterschiedlich. Das Hauptziel des Programms HUMAN, kurz für Human Microbe Alliance for Universal Health, ist es, das „menschliche Ökosystem“ zu erforschen. „Mit HUMAN wollen wir die komplexe Allianz zwischen Menschen und Mikroben enträtseln, um akute Infektionskrankheiten, aber auch infektionsbedingte chronische Krankheiten und damit den menschlichen Gesundheitszustand insgesamt besser zu verstehen“, sagt Prof. Josef Penninger, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI).
Mit jungen Forschenden zukunftsorientiert aufstellen
Schlüssel zum Erfolg sind die Nachwuchsforschungsgruppen: junge, talentierte und ambitionierte Wissenschaftler:innen, die neue Ideen ausprobieren. „Durch die vielen neuen Nachwuchsgruppen in HUMAN ergeben sich viele Symbiosen in der Forschung. Wir haben die Freiheit, sehr kreative Forschungsansätze umzusetzen und auch unkonventionelle Ideen auszuprobieren“, erklärt Dr. Maren Schubert. Sie ist eine von den sechs neuen Leiter:innen dieser Gruppen.

Marek_Kruszewski/HZI
Anfang Februar stellten die neuen Forschungsgruppenleiter:innen ihre Arbeit den Förderern und der Presse vor (v.l.n.r.): Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs, Dr. Maren Schubert, Dr. Max Kellner, Dr. Jan Schlegel, Christian Scherf (Administrativer Geschäftsführer des HZI), Dr. Jakob Wirbel, Dr. Georg Schütte (Vorstand der VolkswagenStiftung), Dr. Christiane Iserman, Prof. Josef Penninger und Dr. Sampurna Chakrabarti.
Sie hat bereits am HZI promoviert und kehrte nach Stationen in Würzburg und der TU Braunschweig im September 2025 zurück, um die Nachwuchsgruppe „Virus-like-particle basierte Technologien“ (VLPT) zu leiten. „Das HZI ist ein besonderer Schmelztiegel der Infektionsforschung mit einer großartigen Ausstattung“, sagt sie. Mit ihrem Team fokussiert sie sich auf Systeme zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, die technologisch auf virusähnlichen Partikeln basieren. Die von ihr mitentwickelten Technologien wurden u. a. für die Entwicklung von COVID-19-Antikörpern genutzt. „Ich hoffe, dass ich im Pandemiefall mit meiner Forschung helfen kann, indem ich schnelle Diagnostik ermögliche“, betont sie. Mehr über ihren Ansatz erfahren Sie im Kurzvideo.
Bereits seit dem 1. April 2025 leitet Dr. Max Kellner die Nachwuchsgruppe VICO („Virus-Wirt Coevolution“). Der Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf den Wechselwirkungen zwischen Viren und ihren Wirten. Dabei konzentrieren sich der gebürtige Wiener und seine Gruppe sich auf den evolutionär entstandenen Mechanismen der angeborenen Immunität und viralen Resilienz bei Säugetieren. Mehr über Kellner und seine Forschung lesen Sie in unserem Portrait.
Ihm folgte im August 2025 Dr. Jan Schlegel, der zuvor an der Königlich Technischen Hochschule in Schweden forschte und nun in Braunschweig die Nachwuchsgruppe CODE („Biologische Codes von Pathogenen“) leitet. Sein Team erforscht biologische Codes von Krankheitserregern, zum Beispiel dem Glycocode oder biophysikalischen Codes. Wie sie dabei vorgehen und welche Arbeitsthese sie dabei untersuchen, erklärt Schlegel in diesem kurzen Video. Ihr Ziel ist es, mit dem Wissen neue diagnostische und therapeutische Ansätze gegen Infektionskrankheiten zu entwickeln.
Die Nachwuchsgruppe „Biomolekulare Kondensate bei Infektionen“ (BCON) unter der Leitung von Dr. Christiane Iserman konzentriert sich seit Oktober 2025 auf die Aggregatstrukturen, die während des Zusammenbaus von Viren entstehen. Diese wollen sie besser zu verstehen, um antivirale Werkzeuge gegen eine Infektion zu entwickeln. In ihrem Kurzvideo erklärt sie, was die relativ junge neue Kondensatforschung ausmacht, wie diese dabei helfen könnte neue Medikamente zu entwickeln und was ein klassisches Salatdressing damit zu tun hat. Iserman ist überzeugt, dass HUMAN eine besondere Chance ist: „Diese vielen neuen Gruppen mit neuen Ideen können zusammen richtig was bewegen und coole Forschung machen.“

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Dr. Sam Chakrabarti stellt ihre Arbeit im Labor vor. Seit Oktober 2025 ist sie am HZI.
Zur gleichen Zeit startete auch Dr. Sam Chakrabarti am HZI. Nach mehreren Forschungsaufenthalten in Großbritannien, den USA und Berlin leitet sie nun die Nachwuchsgruppe „Mechanismen der Infektion und Nozizeption“ (PAIN). „Schmerz ist eine riesige globale Bürde“, erklärt Chakrabarti. Während ihres Aufenthalts in den USA und der dortigen Opiodkrise beginnt sie sich für Schmerzen und deren Ursprung zu interessieren. Hier möchte sie ansetzen, um einen Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen zu nehmen. Deshalb untersucht sie künftig Veränderungen der Nervenfunktionen, die durch Infektionen ausgelöst werden, und wie diese zur Schmerzentstehung bei Maus und Mensch beitragen. Mehr dazu in ihrem Kurzvideo. „Der Titel HUMAN ist super einprägsam, das heißt wir tun etwas für die Menschen, nicht nur für die Forschung.“
Zuletzt stieß Anfang 2026 Dr. Jakob Wirbel dazu, er wechselte von der Stanford University ans HZI und leitet die Nachwuchsgruppe „Mikrobielle Präzisionsgenomik” (PMIG). Der Biologe mit Schwerpunkt auf computergestützter Forschung interessiert sich vor allem für das Mikrobiom im Darm und Antibiotikaresistenzen, ein wachsendes Problem in der Medizin. „Ich würde mich freuen, wenn meine Forschung dazu beiträgt besser zu verstehen, wie Antibiotikaresistenzen entstehen und wie sie sich in Bakterien verbreiten.“ Wirbel wertet mittels „Long-read Metagenom-Sequenzierung“ bakterielle Populationen aus und kann daraus Rückschlüsse und Vorhersagen über Infektionskrankheiten treffen. Sein Ziel ist es, neue biologische Prinzipien und potenzielle Behandlungsmaßnahmen ableiten zu können. Mehr über sein Vorhaben berichtet er in diesem Video.

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Dr. Maren Schubert erklärt Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs die Grundidee ihres Ansatzes anschaulich am Modell aus Bausteinen.
Und es geht noch weiter: ab Herbst 2026 wird Dr. Iana Fedorova die Nachwuchsgruppe „Antivirale Immunität von Bakterien“ (AIBA) starten. Sie studiert das Mit- und Gegeneinander zwischen Menschen und Bakterien sowie den Viren, welche Bakterien infizieren, sogenannte Bakteriophagen, und analysiert sowohl die Verteidigungsapparate der Bakteriophagen als auch die der Bakterien auf der Suche nach neuartigen Therapieansätzen. Weiter Nachwuchsgruppenleiter werden parallel gesucht, so sollen u.a. im Bereich KI weitere Kompetenzen aufgebaut werden.
Neben ihrer Forschungsarbeit werden die Nachwuchsgruppenleiter:innen auch Professuren an den niedersächsischen Partner-Universitäten Medizinische Hochschule Hannover, der Tierärztlichen Hochschule in Hannover sowie der Technischen Universität Braunschweig erhalten. Während ihrer Zeit am HZI spielt neben der Grundlagenforschung auch die Translation eine große Rolle, also der Anwendung in der medizinischen Praxis. Schubert: „Translation ist für meine Forschung sehr wichtig, weil ich möchte, dass sich durch meine Forschung am Ende etwas bewegt.“
Größte Einzelförderung bisher
Die direkte Patienten-Relevanz des Projektes wird möglich, indem zusätzlich Programme für forschende Ärztinnen und Ärzte integriert wurden. Weitere Schwerpunkte in dem Programm liegen auf Technologietransfer, Öffentlichkeitsarbeit und flexibler Finanzierung, die eine Blaupause für weitere Projekte darstellen kann. Knapp 32 Mio. Euro stehen für HUMAN aus Mitteln von zukunft.niedersachsen zur Verfügung. Nach erfolgreicher Zwischenevaluation könnte dieser Betrag auf bis zu 70 Mio. Euro aufgestockt werden. Damit ist sie die größte Einzelförderung bei zukunft.niedersachsen und bei so vielen hochmotivierten Forschenden eine gute Investition in die Zukunft.

