interview

Niedersachsen-Israel: Eine Forschungskooperation mit Geschichte

12
Feb
2026

Das Förderprogramm „Forschungskooperation Niedersachsen-Israel“ geht in die nächste Ausschreibungsrunde. Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs und Stiftungsvorstand Dr. Georg Schütte zu den Ursprüngen des Programms und die Zusammenarbeit mit israelischen Wissenschaftler:innen in herausfordernden Zeiten.

Zwei Männer im Anzug gehen einen Flur entlang und unterhalten sich

Wissenschaftsminister Falko Mohrs (rechts) und Stiftungs-vorstand Georg Schütte zur Förderinitiative "Forschungskooperation Niedersachsen - Israel".

Seit wann gibt es die „Forschungskooperation Niedersachsen-Israel“?

Falko Mohrs: „Seit 1977 unterstützen das Ministerium und die Stiftung die Kooperation beider Länder in unserem gemeinsamen Wissenschaftsförderprogramm zukunft.niedersachsen, früher als Niedersächsisches Vorab bekannt.“

Georg Schütte: „Die ersten Brücken wurden sogar noch früher gebaut, genau genommen ab 1963: Noch vor der offiziellen Aufnahme diplomatischer Beziehungen bewilligte die VolkswagenStiftung hohe Fördersummen an israelische Forschungsinstitute. Keine 20 Jahre nach Ende des Holocaust war dies ein wichtiger Schritt in der Annäherung und der Aussöhnung mit Jüdinnen und Juden.“

Aufgrund der aktuellen politischen Lage in Nahost stehen Kooperationen mit israelischen Partner:innen in der Öffentlichkeit vielfach in der Kritik. Was entgegnen Sie Menschen, die ein Ende der Kooperation fordern?

Schütte: „Politische Themen sollten auf der politischen Bühne gelöst werden. Unsere Aufgabe ist es, Räume zu erhalten für einen offenen Dialog. Während sich in der aktuellen Weltpolitik alte Ordnungen auflösen, sind die neuen noch nicht in Sicht. Wissenschaft kann helfen, eine Basis für neue Perspektivierungen zu finden und Brücken zwischen den Menschen zu bauen. Die Situation um Israel ist so komplex, wir können nicht alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Land in kollektive Verantwortung für das Handeln der Regierung nehmen. Mit unserer Förderung stärken wir die unabhängige Forschung in Israel, losgelöst von den dortigen Regierungen.“

Wissenschaftsallianz mit Israel:Vier Millionen Euro für acht Kooperationsprojekte

Die Entscheidung ist getroffen: In der letzten Ausschreibungsrunde der Initiative „Forschungskooperation Niedersachsen – Israel“ konnten sich acht Projekte im Bereich der Lebenswissenschaften durchsetzen. Sie erhalten insgesamt rund vier Millionen Euro. 

Mohrs: „Die Universitäten und Forschungseinrichtungen in Israel sind Orte, an denen die Freiheit der Wissenschaft, die Offenheit des Diskurses und die institutionelle Unabhängigkeit gelebt wird. Wir haben uns in Niedersachsen daher bewusst dafür entschieden, nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 die Zusammenarbeit sogar noch auszuweiten. 2024 haben wir zusätzliche Mittel bereitgestellt, um Projektlaufzeiten zu verlängern und Budgets zu erhöhen. Für uns ist klar: Diese Partnerschaft hat Zukunft – sie bleibt ein Grundpfeiler unserer internationalen Wissenschaftsbeziehungen.“

Ein Kritikpunkt ist, dass manche Forschungsergebnisse auch militärisch genutzten werden könnten. Inwieweit spielt der Punkt „Dual Use“ in dieser Initiative eine Rolle?

Mohrs: „Forschung findet heute in einer Welt statt, in der wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn und sicherheitspolitische Verantwortung sehr oft untrennbar miteinander verbunden sind. Auch der Wissenschaftsrat hat deutlich gemacht, dass wir Innovation nicht bremsen, sondern verantwortungsvoll gestalten wollen – mit klaren Strukturen für Risikobewertung, mit Transparenz und mit klarer Verantwortung für Sicherheit und Resilienz unserer Gesellschaft.“

Schütte: „Ich möchte aber ganz deutlich sagen, dass wir im Programm Niedersachsen-Israel keine konkreten Militärforschungsprojekte fördern. Dass wir Dual Use nicht ausschließen können, hat Herr Mohrs schon impliziert. Klar ist aber auch: Sicherheitsrelevante Forschung wird auch für die Hochschulen in Niedersachsen zu einem immer größeren Thema. Die Diskussion über das Für und Wider der Zivilklausel hat gerade erst begonnen. Einerseits sind die Hochschulen dem Gemeinwohl verpflichtet, wozu innere und äußere Sicherheit zählen. Andererseits sind individuelle Haltungen der Forschenden zu Fragen von Krieg und Frieden zu berücksichtigen.“

Wie wird es künftig mit dem Programm weitergehen?

Mohrs: „Im Rahmen der Initiative werden wir auch in Zukunft im jährlichen Wechsel Projekte aus verschiedenen Fächergruppen fördern: Neben Natur- und Ingenieurwissenschaften und Mathematik sind dies die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften sowie die Lebenswissenschaften und Medizin. Im Rahmen einer Delegationsreise im Mai 2026 werden wir die Verbindungen mit unseren israelischen Partnern weiter vertiefen. Wir glauben an diese Partnerschaft, weil wir neue Kooperationen und einen nachhaltigen akademischen Austausch zwischen den beiden Ländern ermöglichen wollen!“

Die israelische und die niedersächsische Flagge nebeneinander

ForschungskooperationNiedersachsen - Israel

Das Programm fördert herausragende Forschungsprojekte, die von Wissenschaftler:innen niedersächsischer und israelischer Hochschulen und Forschungseinrichtungen gemeinsam durchgeführt werden. Die aktuelle Ausschreibung adressiert Projekte aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der Mathematik. Stichtag: 2. März 2026