aktuelles

Von App und Online-Kursen: Digitale Angebote für die Gesundheit

01
Dez
2025

Sie optimieren ihre KI-gestützte Physiotherapie-App, entwickeln neue Online-Kurse zur Digitalisierung im Gesundheitswesen und liefern Erkenntnisse zu benötigten digitalen Kompetenzen in der Pflege. Ein Einblick in die Forschung der Wissenschaftler:innen im Zukunftslabors Gesundheit.

Insbesondere nach Verletzungen und Operationen: Physiotherapie zielt darauf ab, die Bewegungsfähigkeit des Körpers zu verbessern, wiederherzustellen oder zu erhalten. Untersuchungen bei Patient:innen mit chronischen Kreuzschmerzen zeigen, dass nur 30 Prozent die Physiotherapie-Übungen, die ihnen verschrieben wurden, zu Hause durchführten. Digitale Anwendungen können diese Quote laut Studien auf 50 Prozent anheben.

Darauf zielt die App des Zukunftslabors Gesundheit: Sie soll Patient:innen dabei unterstützen, die ihnen verschriebenen Übungen zu Hause selbstständig durchzuführen. Durch personalisierte Anleitungen und die Möglichkeit, die Ergebnisse mit den Physiotherapeut:innen zu teilen, wird der Genesungsprozess im Kontakt mit den Fachkräften gefördert, ohne dass jedes Mal eine Praxis aufgesucht werden muss. So können digitale Anwendungen dabei helfen, die Arbeit der Physiotherapeut:innen effizienter zu gestalten.

In den vergangenen Jahren hatten die Wissenschaftler:innen das Konzept für die App entwickelt. Die ausgeführten Übungen werden mittels Kamera erfasst. Die Benutzeroberfläche auf dem Computer zeigt den Patient:innen die auszuführenden Übungen, während ein Algorithmus die Korrektheit der Ausführung prüft und in Echtzeit Rückmeldung gibt. Besonderes Augenmerk legten die Forschenden darauf, die Erfassung der ausgeführten Übungen zu optimieren, indem sie u.a. neuronale Netze zur Verarbeitung der Bilddaten trainierten. Zudem feilten sie an der Visualisierung. Weitere Tests und Trainingsphasen sind geplant, um diese ersten Ergebnisse zu bestätigen.

ZukunftslaborGesundheit

In dem Zukunftslabor arbeiten seit 2019 Wissenschaftler:innen der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen; der Hochschule Hannover, der Hochschule Osnabrück, der Jade Hochschule – Wilhelmshaven Oldenburg Elsfleth, der Leibniz Universität Hannover, der Medizinischen Hochschule Hannover; der Technischen Universität Braunschweig und der Universitätsmedizin Göttingen zusammen mit Partner:innen aus der Praxis. Es läuft noch bis 31. Dezember 2025.

Studie zu digitalen Kompetenzen von Pflegefachkräften

Digitale Angebote wie die Physiotherapie-App stellen Fachkräfte in der Pflege und allgemein in der medizinischen Versorgung vor neue Herausforderungen. Sie müssen sich in einem zunehmend digitalisierten Arbeitsumfeld sicher zurechtfinden und digitale Technologien sinnstiftend in ihren Arbeitsalltag integrieren. Recherchen der Forschenden zeigten, dass Pflegekräfte über 40 Kompetenzen benötigen, um ihren digitalen Arbeitsalltag zu gestalten. Zu diesen Kompetenzen gehören sowohl fachliche Fähigkeiten wie die Datenerfassung als auch Soft Skills, etwa Problemlösungsfähigkeiten und Fähigkeiten im Projektmanagement.

Auf Basis dieser Erkenntnisse fragten die Wissenschaftler:innen über Partnerhochschulen und –netzwerke die Relevanz der 40 Kompetenzen für die Pflegearbeit ab. Ein Ergebnis der Recherche: in der Pflege gibt es derzeit nur wenige Weiterbildungsangebote zum Thema Digitalisierung. Die Umfrageergebnisse könnten daher wertvolle Hinweise für die Entwicklung von Curricula und Lerninhalten an Hochschulen und Pflegeschulen liefern, um die Ausbildung in diesem Bereich gezielt zu erweitern.

Frau mit Laptop in der Hand sieht einen Onlinekurs

Die interaktiven Online-Kurse des Zukunftslabors wurden von Studierenden und medizinischen Fachkräften gut bis sehr gut bewertet.

Online-Kurse durchführen und verbessern

Dem beschriebenen Mangel an Weiterbildungsangeboten wirken die Wissenschaftler:innen des Zukunftslabors Gesundheit aktiv entgegen. In den vergangenen Jahren haben sie insgesamt fünf Online-Kurse erstellt, mit denen sie gezielt digitale Kompetenzen an verschiedene Zielgruppen vermitteln. Inhaltlich geht es um Sensortechnik im Gesundheitswesen, wie medizinische Daten für eine bessere Gesundheitsversorgung und Forschung genutzt werden können sowie statistische Modelle in einem lernenden Gesundheitssystem.

2023 hatten die Wissenschaftler:innen den Online-Kurs „Gamechanger Assistierende Gesundheitstechnologien“ erstmalig mit Studierenden durchgeführt. Der Kurs bietet den Teilnehmer:innen eine Einführung in die Datenanalyse und das Gesundheitsmonitoring. Die Gesamtbewertungen der Teilnehmer:innen lauteten überwiegend gut bis sehr gut. Der neuste Kurs des Zukunftslabors Gesundheit thematisiert den Interoperabilitätsstandard openEHR (open Electronic Health Record). Dieser internationale Standard ermöglicht die Verwaltung, die Speicherung, den Abruf und den Austausch von Gesundheitsdaten in elektronischen Patient:innenakten. Ziel des Online-Kurses ist es, Studierenden oder neuen Mitarbeiter:innen in medizinischen Datenintegrationszentren die Modellierung von Gesundheitsdaten mit openEHR verständlich und übersichtlich zu vermitteln. Den Wissenschaftler:innen ist die Evaluation ihrer Online-Kurse besonders wichtig, um die Kursinhalte an die Bedürfnisse der Zielgruppen anzupassen und ein gewinnbringendes Angebot für die Online-Lehre zu schaffen.

Die Wissenschaftler:innen möchten die Online-Kurse über die Laufzeit des Zukunftslabors Ende 2025 hinaus für Nutzer:innen aus dem Gesundheitswesen zur Verfügung stellen. Daher gründeten sie einen Arbeitskreis, der sich mit der Überführung der erstellten Kursinhalte in „Open Educational Resources“ (OER) beschäftigt. OER sind frei zugängliche Bildungsmaterialien, die kostenlos genutzt, bearbeitet und weiterverbreitet werden können. Der OER-Arbeitskreis des Zukunftslabors Gesundheit hat mit der Prüfung begonnen, welche Kursinhalte (z. B. Videos, Quiz zur Lernzielkontrolle) sich als OER eignen. Parallel prüfen die beteiligten Wissenschaftler:innen Fragen des Urheberrechts der erstellten Inhalte. Im nächsten Schritt werden sie verschiedene Plattformen analysieren, die OER zur Verfügung stellen, um eine passende OER auszuwählen.

Mehr Informationen zu der Arbeitsweise und den Erkenntnissen aus dem Zukunftslabor Gesundheit lesen Sie in diesem Beitrag des ZDIN.  

Logo ZDIN

Zentrum für digitale InnovationenNiedersachsen

Das ZDIN unterstützt interdisziplinäre und anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Digitalisierung in Niedersachsen. Es bündelt die verteilten Digitalisierungskompetenzen in Niedersachsen in acht Zukunftslaboren (teilweise beendet) sowie Transferprojekten. Beides wurde durch Mittel aus zukunft.niedersachsen gefördert.