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Wie wirkt der Klimawandel auf Bakterien?

Eine linke Hand hält eine Petrischale mit Bakterien
28
Mai
2026

Steigende Temperaturen, Dürre oder Überschwemmungen verändern nicht nur Ökosysteme – sie beeinflussen auch die Welt der Bakterien. Ein neuer Forschungsverbund aus drei Hochschulen in Hannover untersucht, wie sich Mikroorganismen an den Klimawandel anpassen und welche Folgen das für Menschen, Tiere und Pflanzen haben könnte.

Bakterien sind überall: Im Boden, in Pflanzen und Tieren ebenso wie im menschlichen Körper. Sie spielen eine zentrale Rolle für Nährstoffkreisläufe und unsere Gesundheit, können aber auch Infektionskrankheiten verursachen. Verändern sich durch den Klimawandel Temperatur und Feuchtigkeit, ändern sich auch die Lebensbedingungen für Bakterien.

„Wir wissen noch erstaunlich wenig darüber, wie Bakterien auf den Klimawandel reagieren. Im Verbund BaKlimON untersuchen wir, ob daraus neue Risiken oder vielleicht auch neue Chancen entstehen“, sagt Prof. Dr. Natalia Tschowri vom Institut für Mikrobiologie. Deshalb bündeln Forschende ihres Instituts an der Leibniz Universität Hannover (LUH), der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) in BaKlimON ihre mikrobiologische Expertise.

 

Ein One-Health-Ansatz für eine vernetzte Welt

Bakterien sind überall: Im Boden, in Pflanzen und Tieren ebenso wie im menschlichen Körper. Sie spielen eine zentrale Rolle für Nährstoffkreisläufe und unsere Gesundheit, können aber auch Infektionskrankheiten verursachen. Verändern sich durch den Klimawandel Temperatur und Feuchtigkeit, ändern sich auch die Lebensbedingungen für Bakterien. „Wir wissen noch erstaunlich wenig darüber, wie Bakterien auf den Klimawandel reagieren. Im Verbund BaKlimON untersuchen wir, ob daraus neue Risiken oder vielleicht auch neue Chancen entstehen“, sagt Tschowri, sie koordiniert den Verbund.

„BaKlimON folgt dem ‚One Health‘-Ansatz, der die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt als eng miteinander verbunden versteht: Veränderungen bei Pflanzen oder Tieren können auch Auswirkungen auf den Menschen haben“, fügt Prof. Dr. Dirk Schlüter (MHH) hinzu. „Im Fokus stehen zwei zentrale Klimafaktoren ‚Temperaturstress‘ und ‚Wasserstress‘ mit ihrem bedeutenden Einfluss auf die Sauerstoffverfügbarkeit, die Osmolarität sowie die Konzentration von Toxinen wie Schwermetallen und Antibiotika auf mikrobielle Lebensgemeinschaften und bakterielle Anpassungsmechanismen“, ergänzt Prof. Dr. Ralph Goethe von der TiHo.

Der Verbund umfasst 13 Projekte – fünf an der LUH, fünf an der MHH und drei an der TiHo. An der LUH untersuchen Forschende schwerpunktmäßig mikrobielle Gemeinschaften und die Belastung der Umwelt durch potenziell krankmachende Keime unter Klimastress. Im Fokus steht hier die Frage, wie Boden- und Pflanzenbakterien auf Trockenheit oder Überschwemmung reagieren.

Zwei Männer stehen an einem technischen Gerät

In einem Labor des MHH-Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene: Prof. Dr. Dirk Schlüter (rechts) und Privatdozent Dr. Marius Vital stehen an einer sauerstofffreien Laborbank. Sie ermöglicht die Simulation des Darminneren, wo Bakterien leben.

Das Team der MHH erforscht, wie sich veränderte Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen auf das menschliche Mikrobiom, auf Infektionsmechanismen sowie auf Antibiotikaresistenzen auswirken. Dabei stehen auch bekannte Krankheitserreger wie Salmonellen, Listerien oder Escherichia coli im Fokus. Beispielsweise untersuchen die Forschenden, ob der Mensch häufiger mit Krankheitserregern in Kontakt kommt, wenn sich bakterielle Gemeinschaften in der Umwelt durch den Klimawandel verschieben.

An der TiHo verfolgen Wissenschaftler:innen den One-Health-Ansatz und erforschen, wie klimatische Veränderungen Infektionserreger von Menschen und Tieren beeinflussen. Besonders interessieren sie die Auswirkungen auf die Pathogenität sowie wie Antibiotikaresistenzen entstehen und sich verbreiten. Im Fokus stehen dabei klinisch bedeutsame veterinär- und humanmedizinische Erreger wie Staphylokokken, Enterobakter sowie nicht-tuberkulöse Mykobakterien. Die Forschenden untersuchen sie gezielt auf klimabedingte molekulare Veränderungen, die ihre krankmachenden Eigenschaften und Übertragungswege beeinflussen können.

Durch die Verknüpfung von Human-, Tier- und Umweltmikrobiologie können Fragen untersucht werden, die bisher selten gemeinsam betrachtet wurden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Junge Forschende sollen in einem strukturierten Programm ausgebildet werden, das sie auf internationale Forschungskarrieren vorbereitet. Workshops, Symposien und Kooperationen mit Graduiertenschulen sollen den Austausch über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg stärken.

BaKlimON wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und von der VolkswagenStiftung mit 3,2 Millionen Euro im Rahmen des Forschungsförderprogramms zukunft.niedersachsen unterstützt. Es startet am 1. Juli 2026.